Aufbau
Der Beckenboden ist eine muskuläre Schicht, die den unteren Bauchraum verschliesst und die inneren Organe stützt. Er spielt eine entscheidende Rolle für die Kontinenz (die bewusste Steuerung der Öffnung oder Schliessung der Harnröhre und des Enddarms), den Ausgleich der Druckverteilung im Bauchraum sowie die Stabilität des gesamten Körpers.
Der Beckenboden besteht aus Muskeln, Faszien und Bändern, die das knöcherne Becken nach unten abschliessen. Zusammen mit der Bauch- und Rückenmuskulatur sowie dem Zwerchfell bildet er eine funktionelle Einheit (siehe Bild rechts).
Die Beckenbodenmuskulatur arbeitet mit der tiefen Bauch- und Rückenmuskulatur als stabilisierendes System zusammen – ohne sie geht es nicht. Bei jeder Bewegung wirkt der gesamte Rumpf mit den tiefen stabilisierenden Muskeln – aber auch mit der für die primären Bewegungen verantwortlichen globalen Muskulatur – auf die Bewegung ein. Vereinfacht ausgedrückt: Ein starker Beckenboden lässt sich mit einem unsichtbaren Fundament vergleichen, das den Körper zusammenhält und für Stabilität sorgt.
Selbst bei scheinbar einfachen Bewegungen wie dem Armheben spielt der Beckenboden eine entscheidende Rolle. Vor der Bewegung sendet unser Nervensystem ein Signal an die tiefe Muskulatur, um diese zu aktivieren. So wird sichergestellt, dass der Rumpf und die Gelenke bereits in einer stabilen Position sind, bevor die eigentliche Bewegung beginnt.
Effektive Kraftübertragung
Beim Heben wird die Kraft der Arme über den Schultergürtel in den Rumpf übertragen. Ist in diesem Beispiel der Beckenboden schwach, wird diese Kraft nicht optimal verteilt. Dies kann zu einer Kompensation führen, bei der andere Muskelgruppen überlastet werden.
Mögliche Folgen:
- Beim Heben von Gewichten kann der untere Rücken zu wenig stabil sein.
- Die Sportlerin kann beim Heben von schweren Gewichten das Gleichgewicht verlieren.
Ein starker Beckenboden hingegen stabilisiert den gesamten Körper, hilft beim Stabilisieren des gesamten Rumpfes mit und ermöglicht es, Bewegungen wie das Heben von Gewichten sicher und effizient auszuführen.
Entspannung für volle Leistung
Damit der Beckenbodenmuskel bei Bedarf maximal anspannen kann, muss er sich auch ganz entspannen können. Dadurch kann er bei der nächsten Anspannung seine volle Kraft schnell entfalten.
Anatomische Unterschiede zwischen Frauen und Männern
Der weibliche Beckenboden unterscheidet sich in mehreren Punkten vom männlichen und ist dadurch stärker belastet:
- Zusätzliche Öffnung: Der weibliche Beckenboden stützt Gebärmutter und Vagina und hat eine weitere Öffnung, was ihn anfälliger für Destabilisierung macht.
- Breiteres Becken: Die Faserrichtung der Muskulatur ist durch das breitere Becken anders ausgerichtet, was die Belastungstoleranz reduziert.
- Weicheres Gewebe: Das elastischere Bindegewebe bei Frauen führt dazu, dass der Beckenboden leichter überdehnt und dadurch in seiner Funktion beeinträchtigt wird.
- Kürzere Harnröhre: Dies erhöht das Risiko für ungewollten Urinverlust.
- Hormonelle Einflüsse: Hormonelle Schwankungen, insbesondere des Östrogenspiegels, beeinflussen die Elastizität und Stabilität des Beckenbodens.